Willkommen in Iten: “Home of Champions”


Reise nach Iten

Draußen ist es noch dunkel, Freitag, 09. August 2019 gegen 5.00 Uhr. Ein paar Stunden konnte ich schlafen, doch der erholsame Nachtschlaf blieb aus. Das Flugzeug setzt zur Landung an. Hier bin ich jetzt also, in Nairobi, Kenia. Knapp vier Wochen Training mit den besten der Welt, mit vollem Fokus auf den Sport und vor allem die Frage im Kopf: Kann ich mir vorstellen, hier für längere Zeit zu leben? Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Erstmal anstehen und warten, bis ich mein Visa bekomme. In der Zwischenzeit komme ich mit einer Frau ins Gespräch, welche als Athletenmanagerin in Kenia tätig ist. Visa in der Tasche, Gepäck geholt und ab nach draußen. Mittlerweile ist es hell geworden. Die junge Frau verabschiedet sich von mir. Sie ist diesmal nicht in Iten und unsere Wege trennen sich hier. Während ich noch gut vier Stunden rumbringen muss, bis mein Inlandsflug nach Eldoret geht, meldet sich auch schon mein Magen. Also erstmal Frühstücken. Endlich in Eldoret angekommen begrüßt, mich auch schon Titus, bei ihm im Compound werde ich die nächsten Wochen verbringen. Die Fahrt nach Iten dauert eine knappe Stunde, währenddessen komme ich mit dem Fahrer ins Gespräch. Wie sich später raustellte ist es James Kwalia, 3. Platz bei der WM 2009 in Berlin über 5.000m. Wahnsinn, wenn man hier alles trifft!


Training in Iten

Langsam passe ich mich an die Höhe an. Die Anstiege sind aber trotzdem bei jedem noch so lockeren Lauf spürbar… selbst schuld, wenn man in Deutschland nur im flachen läuft. In meiner Gruppe habe ich starke Leute. Oft begleitet uns Titus auf einen Lauf, seine Halbmarathonbestzeit liegt bei 59:42 Minuten. Aber auch sonst habe ich immer drei bis fünf Leute, welche mit mir zweimal täglich trainieren und mir meine Grenzen aufzeigen. Der wohl größte Vorteil einer Gruppe im Vergleich zu Deutschland, wo ich die meiste Zeit allein trainiere. Man kann sich einfach nur auf das Laufen konzentrieren, nach jeder Wiederholung übernimmt ein anderer aus der Gruppe die Tempoarbeit. Aber auch während den Dauerläufen bleibt Zeit für ein Gespräch – solange es die wenige Luft in der Höhe zulässt. Dadurch kann ich die Mentalität, Kultur und das Leben meiner Trainingspartner noch besser kennenlernen und verstehen.


Ein normaler Tag im Trainingslager

Wie jeden Morgen reißt mich der Wecker um 5.55 Uhr aus dem Schlaf. Aufstehen, Zähne putzen, Laufklamotten anziehen und raus vor die Tür. Es ist noch dunkel und die Luft ist frisch. Gerade kommen meine Trainingspartner auch aus ihren Häusern. Handshake, “good morning” und dann machen wir uns gemeinsam auf den Weg zum “Home of Champions” Banner am Ortseingang. 45 Minuten lockeres Laufen und Sprints stehen heute Morgen auf dem Programm. Um 6.15 Uhr starten wir unsere Uhren und setzten uns ganz gemächlich in Bewegung. Auch wenn es noch Dunkel ist, sind bereits hunderte von Läufer und Läuferinnen unterwegs. Alle mit dem gleichen Ziel: Die beste Version im Laufen zu werden. Langsam wird es Hell und das Tempo schneller. Vorbei an der St. Patrick High School. Weltklasse Läufer wie David Rudisha haben hier schon trainiert, aber auch aktuell ist mit Rhonex Kipruto (10km Weltrekordhalter) ein absolutes Talent hier Zuhause. Das Dorf Iten haben wir mittlerweile hinter uns gelassen, der erste aus unserer Gruppe musste dem Tempo am letzten Anstieg schon Tribut zollen und Reisen lassen. Nach knapp einer Stunde sind wir wieder Zuhause. Zum Frühstück gibt es klassisch Tee mit Milch und Zucker und dazu Honigtoast und Eier. Jetzt erstmal wieder hinlegen und schlafen.

Kurz vor Mittag werde ich wieder wach. Das Schlafbedürfnis im Trainingslager ist hoch, extrem hoch. Aber die Zeit habe ich hier in Iten. Nach dem Mittagessen treffe ich mich mit dem Österreicher Thomas Potzinger auf einen Tee. Wir haben ein spannendes Gespräch über Jakob Ingebrigtsen seinen phänomenalen Lauf in London (13.02 Minuten) oder das Training von Sondre Moen (Europrekordhalter Marathon mit 2.05.48 Stunden). Gegen 16.00 Uhr machen wir uns auf dem Weg zur zweiten Trainingseinheit. Mittlerweile ist mehr Trubel in Iten, aber große Gruppen sieht man nicht mehr. Oft trainieren die Athleten am Nachmittag allein. Das Training hat wie jeden Tag wieder seine Spuren hinterlassen. Das fällt beim Duschen auf, wenn sich der Staub von der Haut löst und man sich wieder sauber fühlt. Zum Abendessen gibt es klassisch Ugali mit Sukuma Wiki und oft Salat oder Kartoffeln dazu. Wie jeden Abend bin ich todmüde und falle gegen 21.00 Uhr ins Bett. Morgen ist ein neuer Tag und denke noch über das Gespräch mit Thomas heute nach, ehe der Wecker mich um 5.55 Uhr wieder aus dem Schlaf holt. Also heißt es wohl erneut Aufstehen, Zähne putzen, Laufklamotten anziehen und raus vor die Tür.

Ich, Titus (blaue Jacke) und Colin nach einem Lauf am Nachmittag

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